Grauer Star und Premiumlinsen

Premiumlinse ohne grauen Star: Ist das möglich?

Eine Premiumlinse ohne grauen Star ist möglich. Doch für wen eignet sich der Klarlinsentausch (refraktiver Linsentausch)? Warum kommt er besonders bei Weitsichtigen über 40 infrage, und wann ist ein Laser die bessere Wahl?

Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, Augenarzt – Veni Vidi Eye Clinic Caddebostan, Kadıköy Istanbul
Verfasst und geprüft von: Prof. Dr. Fırat HelvacıoğluFacharzt für Augenheilkunde, FEBOS-CR · 25. September 2026 · 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert: · Quellen
Kurze Antwort

Ja, auch ohne grauen Star lässt sich die natürliche Linse entfernen und durch eine Premiumlinse ersetzen. Man nennt das Klarlinsentausch (refraktiver Linsentausch). Gut geeignet sind vor allem Menschen über 40–45 mit nachlassendem Nahsehen, besonders Weitsichtige. Die Operation korrigiert das Sehen in der Ferne, im mittleren Bereich und in der Nähe. Außerdem entsteht an diesem Auge später kein grauer Star. Bei jungen Kurzsichtigen mit niedriger Dioptrienzahl ist dagegen der Laser meist besser geeignet.

Was ist ein Klarlinsentausch?

Bei der Operation des grauen Stars entfernt man die getrübte Augenlinse und setzt eine Kunstlinse ein. Beim Klarlinsentausch ist die Operation dieselbe. Die entfernte Linse ist jedoch noch nicht getrübt. Das Ziel ist nicht, einen grauen Star zu behandeln, sondern die Abhängigkeit von der Brille zu verringern.

Ab dem Alter von etwa 40 Jahren verliert die Augenlinse ihre Elastizität, und die Fähigkeit zur Naheinstellung lässt nach (Alterssichtigkeit). Ab diesem Alter ist die Linse die Struktur, die sich später zu einem grauen Star entwickelt. Deshalb korrigiert ein Linsentausch bei geeigneten Patienten jetzt das Sehen in der Ferne und in der Nähe. Außerdem macht er eine spätere Operation des grauen Stars überflüssig.

„Besonders bei Patienten über 40–45 Jahren, deren Nahsehen nachgelassen hat und die weitsichtig sind, ist eine Premiumlinse auch ohne grauen Star eine sehr gute Alternative.“

— Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, aus dem Video
Video · Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu erklärt

Kann man auch ohne grauen Star eine Premiumlinse bekommen?

Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu erklärt in einer Minute, für wen eine Premiumlinse-Operation ohne grauen Star geeignet ist.

Wer ist ein guter Kandidat für eine Premiumlinse ohne grauen Star?

  • Weitsichtige über 40–45 Jahre: Zum Beispiel jemand, der für die Ferne +2 und für die Nähe +4 Dioptrien braucht. Bei Weitsichtigkeit liegt die Grenze für die Laserkorrektur meist bei etwa +4 Dioptrien. Außerdem löst der Laser das Nahsehproblem nicht. Die Premiumlinse korrigiert beides zugleich.
  • Menschen mit nachlassendem Nahsehen, die keine Brille möchten: Sie sehen in der Ferne auch ohne Brille gut, tun sich aber beim Lesen schwer und wechseln ständig zwischen zwei Brillen.
  • Menschen mit einer für den Laser ungeeigneten Hornhaut: Das sind Patienten über 45 mit dünner Hornhaut oder mit Werten außerhalb der Laser-Grenzen.
  • Menschen mit beginnenden Veränderungen der Linse: Auch wenn noch kein vollständiger grauer Star besteht, zeigen sich hier eine beginnende Verhärtung der Linse oder ein Kontrastverlust.

Für wen eignet sich eine Premiumlinse ohne grauen Star?

Die Entscheidung hängt nicht nur von der Dioptrienzahl ab, sondern auch vom Alter, vom Zustand der Linse und vom Bedarf im Nahbereich.

  1. Smart-Linse (refraktiver Linsenaustausch) – Schritt 1: Junger Kurzsichtiger | Prof. Dr. Fırat HelvacıoğluDie Augenlinse kann noch akkommodieren. Ein Laser, der die Dioptrien auf der Hornhaut korrigiert, ist die geeignetere Wahl. Repräsentative Illustration zu: Smart-Linse (refraktiver Linsenaustausch); Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, Veni Vidi Göz Caddebostan, Kadıköy / Istanbul.25 Jahre · −2 Kurzsichtigkeit! Laser besser geeignetJunge KurzsichtigeDie Augenlinse kann sich noch anpassen. Deshalb ist der Laser, der die Dioptrien auf der Hornhaut korrigiert, die geeignetere Option.
  2. Smart-Linse (refraktiver Linsenaustausch) – Schritt 2: Weitsichtige über 40 | Prof. Dr. Fırat HelvacıoğluSowohl Fern- als auch Nahsehen werden unscharf; die Stärke der Lesebrille steigt rasch. Eine gute Kandidatengruppe für die Smart-Linse. Repräsentative Illustration zu: Smart-Linse (refraktiver Linsenaustausch); Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, Veni Vidi Göz Caddebostan, Kadıköy / Istanbul.Fokus hinter der Netzhaut45 Jahre · +2 Weitsichtigkeit, Nahsehen schwierig✓ Smart-Linse ist eine gute OptionWeitsichtige über 40Das Sehen in der Ferne wie in der Nähe wird unscharf, und die Lesebrillenstärke steigt schnell. Diese Gruppe ist daher ein guter Kandidat für eine Premiumlinse.
  3. Smart-Linse (refraktiver Linsenaustausch) – Schritt 3: Nach der Smart-Linse | Prof. Dr. Fırat HelvacıoğluDie klare, aber alternde Linse wird entfernt und eine multifokale Linse eingesetzt. In diesem Auge entwickelt sich später kein Katarakt. Repräsentative Illustration zu: Smart-Linse (refraktiver Linsenaustausch); Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, Veni Vidi Göz Caddebostan, Kadıköy / Istanbul.Smart-LinseNach Austausch der klaren Linse✓ Fern-, Mittel- und NahsehenNach der PremiumlinseMan entfernt die klare, aber alternde Linse und setzt eine multifokale Linse ein. An diesem Auge entsteht später kein grauer Star.
Fokussierung des Lichts
Symbolische Illustration; die anatomischen Strukturen sind zur besseren Verständlichkeit vereinfacht. © Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu

Bei wem raten wir davon ab?

  • Junge Kurzsichtige mit niedriger Dioptrienzahl: Bei jemandem in den Zwanzigern mit −2 Dioptrien ist es nicht sinnvoll, die gesunde und anpassungsfähige Linse zu entfernen. In diesem Alter sind der Laser oder bei hoher Dioptrienzahl eine implantierbare Kontaktlinse (ICL) die besseren Optionen.
  • Sehr lange Augen mit hoher Kurzsichtigkeit: Nach einer Linsenoperation kann hier das Risiko einer Netzhautablösung steigen. Deshalb entscheiden wir in diesen Fällen besonders sorgfältig.
  • Menschen mit einer Erkrankung des gelben Flecks (Makula): Multifokale Linsen können die Kontrastempfindlichkeit verringern. Bei diesen Augen wählt man daher meist eine monofokale Linse.
  • Menschen mit unrealistischen Erwartungen: Keine Linse ersetzt in jedem Abstand vollständig die natürliche Linse eines 20-Jährigen.

Ergebnisse und Risiken: Premiumlinse ohne grauen Star

Eine Studie (Schallhorn et al., Clin Ophthalmol 2017) verglich 1.280 Patienten, die wegen eines Nahsehproblems einen Klarlinsentausch erhielten, nach Altersgruppen. Nach 3 Monaten sahen etwa 89–94 % der Patienten in der Ferne mit beiden Augen 20/20 oder besser. Außerdem sahen 78–85 % ohne Brille in der Nähe 20/30 oder besser. Zwischen der Gruppe der 45- bis 49-Jährigen und älteren Patienten gab es bei Ergebnis und Zufriedenheit keinen signifikanten Unterschied.

Wie bei jeder Operation im Augeninneren bestehen seltene, aber ernste Risiken, zum Beispiel Infektionen, Entzündungen im Auge und Netzhautprobleme. Bei multifokalen Linsen sieht man in den ersten Monaten nachts manchmal Ringe um Lichter. Das Gehirn gewöhnt sich jedoch innerhalb weniger Monate an dieses neue Sehen.

Welche Linse wird gewählt?

Die Wahl richtet sich nach Ihrem Lebensstil und den Messwerten Ihres Auges:

LinseFür wen?
Trifokale LinseFür Menschen, die lange in der Nähe lesen und viel am Computer und Smartphone arbeiten
EDOF-LinseFür Menschen, die nachts viel Auto fahren und Ferne und mittleren Abstand bevorzugen
Torische PremiumlinseFür Menschen mit deutlicher Hornhautverkrümmung

Die Unterschiede zwischen den beiden Linsen habe ich im Beitrag „Trifokal oder EDOF?“ ausführlich erklärt.

Häufige Fragen

Ja. Man nennt das Klarlinsentausch. Besonders bei Weitsichtigen über 40–45 Jahren mit nachlassendem Nahsehen ist er eine gute Option.

Man denkt in der Regel ab 40–45 Jahren daran, wenn das Nahsehen nachlässt. In jüngeren Jahren kann sich die Augenlinse noch anpassen. Deshalb sind dann Optionen wie Laser oder ICL besser.

Nein. Grauer Star ist die Trübung der natürlichen Linse. Da man diese entfernt, entsteht an diesem Auge kein grauer Star. Nach Jahren kann sich jedoch die Kapsel hinter der Linse trüben (Nachstar). Das beseitigt man in wenigen Minuten mit dem YAG-Laser.

Ja, Kunstlinsen sind so gefertigt, dass sie ein Leben lang im Auge bleiben. Man muss sie nicht austauschen.

Bei Weitsichtigkeit ist die Dioptrienzahl, die der Laser korrigieren kann, begrenzt. Außerdem löst der Laser das Nahsehproblem nach 40 nicht. Die Premiumlinse korrigiert dagegen das Sehen in der Ferne und in der Nähe in einer einzigen Operation.

Quellen

  1. Schallhorn SC, Schallhorn JM, Pelouskova M, et al. Refractive lens exchange in younger and older presbyopes: comparison of complication rates, 3 months clinical and patient-reported outcomes. Clin Ophthalmol. 2017;11:1569-1581. doi:10.2147/OPTH.S143201
  2. Fricke TR, Tahhan N, Resnikoff S, et al. Global prevalence of presbyopia and vision impairment from uncorrected presbyopia: systematic review, meta-analysis, and modelling. Ophthalmology. 2018;125(10):1492-1499. doi:10.1016/j.ophtha.2018.04.013
  3. Woodward MA, Randleman JB, Stulting RD. Dissatisfaction after multifocal intraocular lens implantation. J Cataract Refract Surg. 2009;35(6):992-997. doi:10.1016/j.jcrs.2009.01.031
  4. Kaya Ünsal S, Helvacıoğlu F, Sunay E. Topographic factors affecting dissatisfaction after trifocal IOL implantation. 36. ESCRS-Kongress, Wien, September 2018 (Vortrag).

Dieser Beitrag dient der Patienteninformation und ersetzt keine Untersuchung und keine ärztliche Beurteilung. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, entscheidet sich nach der Augenuntersuchung und den Messungen. Veröffentlichungsdatum: 25. September 2026.

Bei Fragen erreichen Sie Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu

Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu · Veni Vidi Eye Clinic, Bağdat Cad. No: 257, Caddebostan – Kadıköy / Istanbul