Torische Linse

Kurz gesagt

Eine torische Linse ist eine Intraokularlinse, die den Astigmatismus (die Hornhautverkrümmung) korrigiert; wir implantieren sie bei der Katarakt- oder Linsenoperation. Dabei richten wir sie auf die Achse des Hornhautastigmatismus aus; so verringert sie den Brillenbedarf nach der Operation. Torische Varianten gibt es außerdem für monofokale, EDOF- und Trifokallinsen.

Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu bei einer Multifokallinsen-Operation – Veni Vidi Augenklinik Caddebostan, Kadıköy, Istanbul
Medizinischer Inhalt und Prüfung: Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, FEBOS-CR — Direktor der Klinik für Augenheilkunde, Medizinische Fakultät der Üsküdar-UniversitätZuletzt aktualisiert: 26. September 2026Quellen

Was ist eine torische Linse?

Eine torische Linse ist eine Intraokularlinse, die bei der Katarakt- oder Linsenoperation die natürliche Linse ersetzt und den Astigmatismus korrigiert. Standardlinsen (sphärisch) korrigieren Kurz- und Weitsichtigkeit, nicht aber den Astigmatismus. Eine torische Linse hat hingegen in verschiedenen Meridianen unterschiedliche Brechkraft. Bei der Operation richten wir sie deshalb auf die Achse des Hornhautastigmatismus aus; so gleicht sie ihn aus.

Torisch ist ein Designmerkmal und kein eigener Linsentyp: Es gibt torische Varianten von monofokalen, EDOF- und Trifokallinsen. Somit lassen sich Fern-, Zwischen- und Nahsicht anstreben und der Astigmatismus im selben Eingriff korrigieren.

Was ist Astigmatismus und warum ist er wichtig?

Die Hornhaut ist das klare vordere Fenster des Auges. Astigmatismus entsteht, wenn sie in einer Richtung stärker gekrümmt ist als in der anderen. Dadurch lässt sich das Licht nicht in einem Punkt bündeln. Bilder erscheinen deshalb verschwommen, schattig oder doppelt, und Lichter streuen vor allem nachts. Ein erheblicher Teil der Kataraktpatienten hat einen Hornhautastigmatismus in einem Ausmaß, das wir bei der Operation korrigieren sollten.

Bleibt der Astigmatismus bei der Kataraktoperation unkorrigiert, kann trotz genau berechneter Linsenstärke weiterhin eine Brille für die Ferne nötig sein. Bei Multifokallinsen mindert ein unkorrigierter Astigmatismus zudem die mögliche Sehqualität deutlich.

Für wen ist eine torische Linse geeignet?

  • Kataraktpatienten mit regulärem Hornhautastigmatismus: bei durch Messungen bestätigtem, deutlichem regulärem Astigmatismus.
  • Patienten, die eine Multifokallinse erwägen: Für den vollen Nutzen einer Trifokal- oder EDOF-Linse ist eine Korrektur des Astigmatismus nötig. Deshalb verwenden wir bei diesen Patienten eine torische Multifokallinse.
  • Kandidaten für einen refraktiven Linsenaustausch: Auch beim refraktiven Linsenaustausch ohne Katarakt korrigiert eine torische Linse den Astigmatismus.
Zu beachten: Mehrere Faktoren beeinflussen die Entscheidung für eine torische Linse. Dazu gehören irregulärer Astigmatismus (z. B. fortgeschrittener Keratokonus oder Hornhautnarben), durch trockenes Auge schwankende Messwerte oder ein schwacher Halteapparat der Linsenkapsel. Deshalb beurteilen wir diese Faktoren bei der Untersuchung genau.

Wie planen wir eine torische Linse?

Der Erfolg einer torischen Linse hängt von der Genauigkeit der Voruntersuchungen ab:

  1. Vorbereitung der Augenoberfläche: Ein trockenes Auge kann die Messungen verfälschen. Bei Bedarf behandeln wir deshalb zuerst die Augenoberfläche und messen dann erneut.
  2. Biometrie und Hornhauttopographie: Stärke und Achse des Astigmatismus messen wir mit mehreren Geräten und vergleichen die Werte anschließend.
  3. Hornhautrückflächen-Astigmatismus: Nicht nur die Vorder-, sondern auch die Rückfläche der Hornhaut trägt zum Gesamtastigmatismus bei. Diesen Effekt berücksichtigen wir daher bei der Berechnung.
  4. Berechnung von Linsenstärke und Achse: Sphärische und zylindrische Stärke sowie die Implantationsachse bestimmen wir schließlich mit aktuellen torischen Formeln.

Wie läuft die Operation mit torischer Linse ab?

Wie bei der Kataraktoperation erfolgt der Eingriff in Tropfanästhesie und dauert meist 15–20 Minuten pro Auge. Zunächst entfernen wir die natürliche Linse mittels Phakoemulsifikation. Danach setzen wir die torische Linse in den Kapselsack ein und richten ihre Achsmarkierungen auf die geplante Astigmatismusachse aus. Die Ausrichtung kann durch manuelle Markierung vor der Operation oder durch digitale (bildgestützte) Markierung während der Operation erfolgen. Metaanalysen zeigen, dass die digitale Markierung den Ausrichtungsfehler verringert.

Astigmatismus-Behandlung mit torischer Linse – Ausrichtung einer torischen Intraokularlinse auf die Astigmatismusachse: korrekte Ausrichtung vs. 10° Abweichung | Prof. Dr. Fırat HelvacıoğluAusrichtung einer torischen Intraokularlinse auf die Astigmatismusachse: korrekte Ausrichtung vs. 10° Abweichung. Schematische Darstellung zur Astigmatismus-Behandlung mit torischer Linse; Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, Veni Vidi Augenklinik Caddebostan, Kadıköy, Istanbul.Korrekte AusrichtungLinsenmarkierungen decken sich mit der Astigmatismusachse10° AbweichungEtwa ein Drittel der Korrektur geht verlorenAstigmatismusachseAchsmarkierungen der torischen Linse
Schematische Darstellung. Die Punkte auf der torischen Linse kennzeichnen ihre Korrekturachse; bei der Operation richten wir sie auf die Achse des Hornhautastigmatismus aus. Jedes Grad Abweichung verringert die Korrekturwirkung um etwa 3 %.

Kann sich eine torische Linse verdrehen?

Die Wirkung einer torischen Linse hängt davon ab, dass sie auf der richtigen Achse bleibt. Denn jedes Grad Abweichung verringert die Korrektur um etwa 3 %, bei 30 Grad geht die Korrektur vollständig verloren. Die Rotationsstabilität der Linse ist daher wichtig.

Eine Metaanalyse von 51 Studien mit 4.863 Augen ergab für aktuelle torische Linsen eine mittlere Rotation von etwa 2,4 Grad. Moderne torische Linsen sind also sehr stabil. Eine Rotation tritt am häufigsten in den ersten Tagen auf. Im seltenen Fall einer deutlichen Verdrehung können wir die Linse jedoch mit einem kurzen Eingriff wieder auf die richtige Achse drehen.

Ergebnisse torischer Linsen: die wissenschaftliche Evidenz

Eine Metaanalyse von 12 Studien verglich torische und nicht-torische Linsen bei Kataraktpatienten mit Hornhautastigmatismus. Demnach führen torische Linsen zu geringerem Restastigmatismus und besserem unkorrigiertem Fernvisus. Die Wahrscheinlichkeit eines Restastigmatismus von 0,5 Dioptrien oder weniger ist mit torischen Linsen außerdem etwa 3,3-mal höher.

Auch im Vergleich mit Verfahren, die den Astigmatismus durch Hornhautschnitte verringern, schneiden torische Linsen gut ab. Gegenüber der femtosekundenlaser-assistierten astigmatischen Keratotomie (FSAK) hinterlassen sie zum Beispiel weniger Restastigmatismus und ergeben einen besseren unkorrigierten Fernvisus. Ein Cochrane-Review im Vergleich mit limbalen Entlastungsschnitten (LRI) fand einen – wenn auch kleinen – Vorteil zugunsten torischer Linsen. Bei geringem Astigmatismus können daher auch andere Optionen infrage kommen.

Kosten der torischen Linse und Informationen für internationale Patienten

Die Kosten der Operation mit torischer Linse legen wir nach der Untersuchung fest. Dabei hängen sie vom Linsentyp (torisch-monofokal, torisch-EDOF, torisch-trifokal) und davon ab, ob wir ein oder beide Augen behandeln.

Für internationale Patienten: Senden Sie uns Ihre bisherigen augenärztlichen Befunde und Topographie per WhatsApp. Danach erhalten Sie einen individuellen Behandlungsplan mit Kostenvoranschlag. Für die Operation beider Augen empfehlen wir einen Aufenthalt von etwa einer Woche in Istanbul. Dadurch können wir auch die Linsenposition nach der Operation kontrollieren. Die Beratung ist außerdem auf Englisch möglich.

Häufige Fragen

Eine torische Linse ist eine Intraokularlinse, die der Chirurg bei der Katarakt- oder Linsenoperation implantiert; sie korrigiert den Astigmatismus. Sie hat in verschiedenen Meridianen unterschiedliche Brechkraft; deshalb richtet der Chirurg sie auf die Achse des Hornhautastigmatismus aus.

Ja. Bei deutlichem regulärem Hornhautastigmatismus lässt sich dieser bei der Kataraktoperation mit einer torischen Intraokularlinse korrigieren.

Aktuelle torische Linsen sind sehr stabil; Metaanalysen fanden eine mittlere Rotation von etwa 2–3 Grad. Im seltenen Fall einer deutlichen Verdrehung lässt sich die Linse jedoch mit einem kurzen Eingriff wieder auf die richtige Achse bringen.

Torisch ist ein Designmerkmal. Torische Varianten gibt es für monofokale, EDOF- und Trifokallinsen. Torische EDOF- und torische Trifokallinsen korrigieren dabei den Astigmatismus und wirken zugleich als Premiumlinsen.

Das hängt vom Stadium des Keratokonus und der Regelmäßigkeit der Hornhaut ab. Bei leichtem, stabilem Keratokonus kann nach sorgfältigen Messungen eine torische Linse infrage kommen. Bei fortgeschrittenem Keratokonus mit unregelmäßiger Hornhaut empfehlen wir sie hingegen in der Regel nicht.

Für ein Auge reichen meist einige Tage einschließlich Voruntersuchung und Kontrolle am Folgetag. Für beide Augen empfehlen wir jedoch etwa eine Woche. Den genauen Plan erstellen wir nach Prüfung Ihrer Befunde.

Quellen

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  4. Lake JC et al. Toric intraocular lens versus limbal relaxing incisions for corneal astigmatism after phacoemulsification. Cochrane Database Syst Rev. 2019;12(12):CD012801. doi:10.1002/14651858.CD012801.pub2
  5. Yu JG et al. Digital marking versus manual marking technique for toric intraocular lens alignment: a meta-analysis. BMC Ophthalmol. 2025;25(1):499. doi:10.1186/s12886-025-04329-9
  6. Kohnen T et al. Standards for analyzing astigmatic outcomes: Part I: astigmatism basics. J Cataract Refract Surg. 2025;51(6):440–446. doi:10.1097/j.jcrs.0000000000001644

Diese Seite dient der Patienteninformation und ersetzt keine Untersuchung oder ärztliche Beurteilung. Die für Sie geeignete Behandlung legen wir deshalb nach Augenuntersuchung und Messungen fest.

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