Tränende Augen: Ursachen, Diagnose und Behandlung
Ständig tränende Augen entstehen entweder durch zu viel Tränenflüssigkeit oder durch einen verstopften Abflussweg zur Nase. Hier lesen Sie die Ursachen, die Spülung zur Diagnose und die DCR-Operation.
Tränende Augen haben zwei Hauptursachen. Entweder produziert das Auge zu viele Tränen (Wind, Kälte, Fremdkörper, Allergie, Infektion, trockenes Auge), oder der Abflussweg zur Nase ist verstopft. Die Verstopfung kann an den kleinen Tränenpünktchen (Punktum) im Lidrand oder im Gang zur Nase sitzen. Zur Diagnose dient die Spülung der Tränenwege. Bei einem verstopften Tränennasengang schafft die DCR-Operation einen neuen Abfluss. Bei einer Punktumstenose genügen dagegen oft kleinere Eingriffe.
Wo entstehen Tränen, und wohin fließen sie?
Die Tränenflüssigkeit entsteht in der Tränendrüse unter dem oberen äußeren Rand des Oberlids. Beim Blinzeln verteilt sie sich auf der Augenoberfläche. Danach sammelt sie sich in zwei kleinen Öffnungen (Punktum) am inneren Augenwinkel, im Ober- und im Unterlid. Von dort fließt sie durch feine Kanälchen in den Tränensack und weiter in den Gang zur Nase. Deshalb läuft auch die Nase, wenn wir weinen.
„Man kann das Tränensystem mit einem Wasserhahn und einem Waschbecken vergleichen: Entweder ist der Hahn zu weit aufgedreht, oder der Abfluss ist verstopft. Die Behandlung richtet sich danach, was zutrifft.“
— Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, aus seinem Video
Wenn Ihre Augen tränen
Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu erklärt, warum die Augen tränen und wie man sie behandelt.
Warum Augen tränen: Wasserhahn und Abfluss
Die Tränenflüssigkeit wird von der Drüse am oberen äußeren Rand gebildet. Nachdem sie das Auge befeuchtet hat, fließt sie durch die kleinen Öffnungen (Punktum) am inneren Augenwinkel in den Tränensack. Von dort läuft sie durch den Gang zur Nase. Tränende Augen entstehen entweder durch zu viel Flüssigkeit oder durch einen verstopften Abfluss.
- Normaler FlussGebildete und abfließende Tränen sind im Gleichgewicht. Das Auge bleibt feucht, läuft aber nicht über.
- Zu viel FlüssigkeitWind, Kälte, Fremdkörper, Allergie, Infektion oder trockene Augen steigern die Tränenproduktion.
- Verstopfter AbflussEine Punktumstenose oder ein verstopfter Gang zur Nase lässt die Tränen über die Wange laufen.
Tränende Augen durch zu viel Tränenflüssigkeit
- Umwelteinflüsse: Wind, kalte Luft, Rauch
- Fremdkörper oder eingewachsene Wimpern
- Allergien und Infektionen: Zusammen mit Juckreiz, Rötung und Sekret
- Trockenes Auge: Die trockene Oberfläche bildet reflexartig viele, aber minderwertige Tränen
- Lidprobleme: Nach außen oder innen gedrehte Lider, Entzündung des Lidrands (Blepharitis)
Daher richtet sich die Behandlung hier nach dem eigentlichen Auslöser. Tränen durch die winterliche Trockenheit habe ich im Beitrag „Warum trocknen Ihre Augen im Winter aus?“ beschrieben.
Tränende Augen durch verstopfte Tränenwege
Die Verstopfung kann an verschiedenen Stellen der Tränenwege sitzen:
- Punktumstenose: Die Öffnungen, in denen sich die Tränen sammeln, sind verengt. Das kommt im höheren Alter und bei chronischen Lidentzündungen häufig vor.
- Verstopfter Gang zur Nase (Tränennasengang): Bei Erwachsenen ist dies die häufigste Ursache. Die im Tränensack gestaute Flüssigkeit kann sich entzünden und am inneren Augenwinkel Schwellung, Rötung und Sekret verursachen.
- Angeborene Verstopfung: Sie ist bei Babys häufig. Meist öffnet sie sich im ersten Lebensjahr von selbst. Falls nötig, behandelt man sie mit Massage und einer einfachen Sondierung.
In einer 25-jährigen Bevölkerungsstudie aus den USA zeigte sich außerdem, dass verstopfte Tränenwege bei Erwachsenen am häufigsten Frauen über 66 Jahre betrafen.
Diagnose: Spülung der Tränenwege
Bei der Untersuchung prüft der Arzt zuerst die Augenoberfläche, die Lider und die Punkta. Bei Verdacht auf eine Verstopfung folgt eine Spülung (Lavage): Das Punktum wird mit Tropfen betäubt, dann spritzt man mit einer feinen Kanüle Kochsalzlösung ein. Gelangt die Lösung in den Rachen, ist der Weg offen. Fließt sie zurück, liegt eine Verstopfung vor, und man erkennt ihre Lage. Der Eingriff dauert wenige Minuten; dank der Betäubungstropfen spüren die meisten Patienten keine Schmerzen, ein leichtes Druckgefühl ist möglich.
Behandlung bei tränenden Augen
| Situation | Behandlung |
|---|---|
| Zu viel Tränenflüssigkeit | Ursachenbezogen: Behandlung von trockenem Auge, Allergie und Lidrandentzündung |
| Punktumstenose | Erweiterung des Punktums oder Punktum-Stöpsel mit Öffnung |
| Verstopfter Gang zur Nase | DCR (Dakryozystorhinostomie): Vom Tränensack zur Nase wird ein neuer Weg geschaffen |
| Entzündung des Tränensacks (Dakryozystitis) | Zuerst Antibiotika, danach operative Behandlung der Verstopfung |
Die DCR-Operation hat eine hohe Erfolgsquote. In der oben genannten Studie lag sie bei der äußeren DCR bei 94 %. Weitere Einzelheiten finden Sie auf der Seite zum verstopften Tränenkanal (DCR).
Nicht abwarten, sondern vorstellen
- Schmerzhafte, gerötete Schwellung am inneren Augenwinkel
- Sekret oder Eiter am inneren Augenwinkel beim Daraufdrücken
- Dauerhaftes Tränen an einem Auge mit verschwommenem Sehen
Häufige Fragen
Entweder wird zu viel Tränenflüssigkeit gebildet (Wind, Allergie, trockenes Auge, Fremdkörper), oder der Abflussweg zur Nase ist verstopft. Die Untersuchung und bei Bedarf eine Spülung zeigen die Ursache.
Ja. Eine trockene Augenoberfläche bildet reflexartig mehr Tränen. Deshalb ist das trockene Auge eine häufige Ursache für tränende Augen.
Bei Babys öffnet er sich meist im ersten Lebensjahr von selbst. Bei Erwachsenen bessert er sich dagegen in der Regel nicht von allein, sodass eine Behandlung nötig ist.
Bei dieser Operation wird zwischen Tränensack und Nase ein neuer Durchgang geschaffen. Ist der Gang zur Nase verstopft, können die Tränen dadurch wieder in die Nase abfließen.
Ein angeborener verstopfter Tränenkanal ist häufig und öffnet sich meist von selbst. Empfohlen wird die Massage, die Ihr Arzt zeigt. Bei einer Entzündung oder ohne Besserung bis zum ersten Geburtstag kann eine Untersuchung und eine einfache Sondierung nötig sein.
Die Spülung erfolgt nach einer Betäubung mit Tropfen. Die meisten Patienten beschreiben dabei einen leichten Druck und ein Gefühl von Flüssigkeit. Zudem dauert die Spülung nur kurz.
Wenn sich die Verstopfung mit Medikamenten oder Massage nicht öffnet und eine Infektion oder ständiges Tränen die Lebensqualität beeinträchtigt, kommen operative Möglichkeiten wie die DCR in Betracht. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt anhand des Ergebnisses von Untersuchung und Spülung.
Diese Anzeichen können auf Erkrankungen wie eine Infektion oder eine Entzündung des Tränenkanals hindeuten. Daher ist ein zeitnaher Besuch beim Augenarzt nötig. Berühren Sie das Auge dabei nicht, und achten Sie auf saubere Hände.
Verwandte Seiten
Quellen
- Woog JJ. The incidence of symptomatic acquired lacrimal outflow obstruction among residents of Olmsted County, Minnesota, 1976-2000 (an American Ophthalmological Society thesis). Trans Am Ophthalmol Soc. 2007;105:649-666. PMID: 18427633.
- Craig JP, Nichols KK, Akpek EK, et al. TFOS DEWS II Definition and Classification Report. Ocul Surf. 2017;15(3):276-283. doi:10.1016/j.jtos.2017.05.008
Dieser Beitrag dient der Patienteninformation und ersetzt keine Untersuchung und ärztliche Beurteilung. Die passende Behandlung legen wir nach der Augenuntersuchung und den Messungen fest. Veröffentlicht am 25. September 2026.
Bei Fragen erreichen Sie Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu hier
Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu · Veni Vidi Eye Clinic, Bağdat Cad. No: 257, Caddebostan – Kadıköy / Istanbul
