Trifokal oder EDOF? Die Wahl der Premiumlinse
Trifokal oder EDOF? Hier lesen Sie, wie beide beliebten Premiumlinsen funktionieren, was die Studien zeigen und welche Linse besser zu Ihrem Beruf und Lebensstil passt.
Beide sind erfolgreiche Premiumlinsen. Der Unterschied liegt darin, in welcher Entfernung sie am stärksten sind. Die Trifokallinse ist im Nahbereich (etwa 40 cm) die stärkste Option. Deshalb eignet sie sich für Menschen, die viel lesen, das Handy nutzen oder feine Naharbeit leisten. Allerdings können nachts Halos um Lichter auftreten. Die EDOF-Linse liefert dagegen ein durchgehend gutes Sehen in der Ferne und im Zwischenbereich, und nachts treten weniger Halos auf. Das Lesen im Nahbereich bleibt jedoch eingeschränkter. Die richtige Wahl hängt von Ihrer Augenstruktur, Ihrem Beruf und Ihren Erwartungen ab.
Wie funktioniert die Trifokallinse?
Auf der Oberfläche der Trifokallinse liegen feine Ringe, die das Licht durch Beugung (Diffraktion) aufteilen. Diese Ringe verteilen das einfallende Licht auf drei Brennpunkte: Ferne, Zwischenbereich (etwa 55–60 cm, Computer) und Nähe (etwa 40–45 cm, Buch und Handy). So brauchen die meisten Patienten im Alltag keine Brille.
Der Preis dafür ist die Aufteilung des Lichts. Der Kontrast kann etwas abnehmen, und nachts sind um Scheinwerfer oder Straßenlaternen Ringe (Halos) sichtbar. Das Gehirn gewöhnt sich jedoch mit der Zeit an diese neue Art des Sehens. In einer Studie mit funktioneller MRT zeigte sich, dass diese Anpassung (Neuroadaptation) in den ersten Wochen viel Aufmerksamkeit erfordert. Nach 6 Monaten war die Hirnaktivität wieder normal.
„Für Menschen, die am Computer arbeiten, als Buchhalter tätig sind, sehr gern Bücher und Zeitungen lesen und viel im Nahbereich arbeiten, kann keine andere Linse das Nahsehen der Trifokallinsen bieten. Wenn ein Bedarf im Nahbereich besteht, sind Trifokallinsen meiner Meinung nach immer noch die Nummer eins.“
— Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, aus seinem Videobeitrag
Trifokal oder EDOF: Sind Trifokallinsen überholt?
Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu erläutert die Entwicklung der EDOF-Linsen. Außerdem erklärt er, bei welchen Patienten er die Trifokallinse weiterhin als erste Wahl sieht.
Wie funktioniert die EDOF-Linse?
EDOF-Linsen (englisch extended depth of focus, erweiterte Schärfentiefe) teilen das Licht nicht auf getrennte Brennpunkte auf. Stattdessen dehnen sie den Fokus entlang einer Linie aus. Die Qualität des Fernsehens liegt sehr nah an einer monofokalen Linse. Ab etwa 50–60 cm bieten sie ein durchgehendes Bild. Weil sie keine auffälligen Ringe haben, treten nachts weniger Halos und Blendung auf.
Ältere EDOF-Linsen waren im Nahbereich nicht stark genug. Neuere Modelle haben das Nahsehen jedoch deutlich verbessert. Trotzdem sind sie bei kleiner Schrift und unter 40 cm nicht so stark wie die Trifokallinse. Um diesen Unterschied auszugleichen, kann man eine Mini-Monovision planen, bei der ein Auge leicht auf die Nähe eingestellt wird. Außerdem gibt es neue „Hybrid“-Linsen, die die Stärken von Trifokal und EDOF verbinden. Weitere Einzelheiten finden Sie auf der Seite zur EDOF-Linse.
Trifokal- und EDOF-Linse: Aufbau und Sehentfernungen
Die Trifokallinse teilt das Licht mit Ringen auf ihrer Oberfläche in drei Brennpunkte auf. Die EDOF-Linse dehnt den Fokus dagegen entlang einer Linie aus. Die Grafik zeigt das Schärfeprofil beider Linsen je nach Entfernung als schematische Darstellung.
- TrifokallinseDrei Brennpunkte für Ferne, Zwischenbereich (Computer) und Nähe (Lesen). Im Nahsehen ist sie die stärkste Option. Nachts können Halos um Lichter auftreten.
- EDOF-LinseDurchgehende Schärfe von der Ferne bis zur Armlänge. Das Lesen im Nahbereich kann eingeschränkter sein. Nachts treten weniger Halos und Blendung auf.
- FokuskurveDie Trifokallinse bildet bei 40 cm einen zweiten Gipfel. Die EDOF-Linse bietet dagegen in Ferne und Zwischenbereich eine breite Schärfe und im Nahbereich eine geringere.
Trifokal oder EDOF: Was sagen die Studien?
- In einer Metaanalyse zum Vergleich von Trifokal- und EDOF-Linsen war das Fernsehen in beiden Gruppen ähnlich. Die EDOF-Linse war im Zwischenbereich besser, die Trifokallinse im Nahbereich. Die Rate der vollständigen Brillenunabhängigkeit lag in der Trifokal-Gruppe höher. Die Patientenzufriedenheit war mit beiden Linsen hoch.
- In einer weiteren Metaanalyse waren Trifokallinsen im Nahsehen überlegen. Allerdings wurden Halos in der Trifokal-Gruppe häufiger berichtet.
- Eine Netzwerk-Metaanalyse mit 27 randomisierten Studien kam zu dem Ergebnis, dass eine beidseitige Trifokallinse das beste Nahsehen bieten kann, ohne das Fernsehen zu beeinträchtigen.
- Laut Cochrane-Übersicht ist die Brillenunabhängigkeit mit Multifokallinsen deutlich höher als mit monofokalen Linsen. Dafür treten Halos und Blendung häufiger auf.
Die wissenschaftlichen Daten zeigen also: Beide Linsen sind gut, sie erfüllen aber unterschiedliche Bedürfnisse.
Trifokal oder EDOF: Wer passt zu welcher Linse?
Gute Kandidaten für die Trifokallinse
- Menschen, die viel Bücher und Zeitungen lesen und das Handy aus der Nähe nutzen
- Buchhalter, Schneider, Friseure und andere, die im Nahbereich feine Arbeit leisten
- Menschen, die möglichst ganz auf die Brille verzichten möchten
- Weitsichtige über 45 Jahre, die weder nah noch fern gut sehen
Gute Kandidaten für die EDOF-Linse
- Menschen, die nachts viel Auto fahren, Berufsfahrer und Piloten
- Menschen, denen die Qualität des Fernsehens und der Kontrast am wichtigsten sind
- Menschen, die überwiegend am Computer und im Zwischenbereich arbeiten
- Menschen, die wissen, dass sie auf Lichthalos empfindlich reagieren
Diese Entscheidung trifft man nicht allein anhand der Linsenbroschüre. Vor der Operation beurteilen wir mit detaillierten Messungen den Zustand von Hornhaut, Astigmatismus, Makula und Sehnerv. Danach besprechen wir gemeinsam, wo Sie Ihre Augen im Leben am meisten brauchen.
Trifokal oder EDOF: Besondere Situationen
- Makulaerkrankung, fortgeschrittenes Glaukom oder unregelmäßige Hornhaut: Linsen, die das Licht aufteilen, können in diesen Augen die Sehqualität verringern. Deshalb wählt man meist eine monofokale Linse.
- Astigmatismus: Sowohl von Trifokal- als auch von EDOF-Linsen gibt es torische Modelle, die den Astigmatismus korrigieren. Bei der Berechnung zählt der Astigmatismus der Hornhaut, nicht der in der Brille.
- Kurzsichtige um die 50: Kurzsichtige, die ohne Brille sehr gut nah sehen, können diesen Vorteil in sehr kurzer Entfernung von etwa 20 cm nach der Operation verlieren, egal welche Linse eingesetzt wird. Deshalb ist es in dieser Gruppe besonders wichtig, die Erwartungen richtig zu setzen.
- Augen nach einer Laserbehandlung: Für die Berechnung der Linsenstärke verwendet man spezielle Formeln. Wichtig sind eine regelmäßige Hornhaut und ein zentrierter Laser.
- Wenn ein kleiner Restfehler bleibt: Auch mit modernen Messungen kann bei Multifokallinsen selten schon ein kleiner Restfehler stören. In diesem Fall lässt sich mit einem Oberflächenlaser (PRK) nachbessern.
„Es gibt keine perfekte Linse und keine einzige perfekte Behandlung. Unser Ziel ist es, Ihnen ein Sehen zu bieten, das dem Ihres gesunden 20-jährigen Auges möglichst nahekommt. Dafür müssen wir die Erwartungen an die tatsächlichen Ergebnisse anpassen.“
— Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, aus einem Gespräch über Premiumlinsen
Die Arbeiten unserer Klinik
Premiumlinsen sind seit vielen Jahren ein wichtiger Teil unserer Praxis. Unsere klinischen Ergebnisse in diesem Bereich stellen wir auf internationalen Kongressen vor. Dazu gehören Arbeiten zur visuellen Leistung nach der Operation mit bifokalen und trifokalen diffraktiven Linsen (ESCRS 2019), zu kornealen (topografischen) Faktoren, die die Unzufriedenheit nach der Trifokallinse beeinflussen (ESCRS 2018), und zur Feinkorrektur mit PRK nach einer Multifokallinse (ESCRS 2018).
Informationen zur Premiumlinsen-Operation ohne Katarakt, nur um die Brille loszuwerden, finden Sie auf den Seiten Premiumlinse und Presbyopie-Behandlung. Bei der Kataraktoperation ist die Standardlinse, die die türkische Sozialversicherung (SGK) übernimmt, die monofokale Linse. Wenn Sie sich für eine Premiumlinse entscheiden, tragen Sie den Linsenaufpreis selbst.
Häufige Fragen
Ja, die große Mehrheit der Patienten kann nachts Auto fahren. In den ersten Monaten sind um Scheinwerfer eventuell Ringe sichtbar. Das Gehirn gewöhnt sich meist innerhalb von 6 Monaten daran. Wenn Sie nachts sehr lange fahren, kann die EDOF-Linse besser geeignet sein.
Mit EDOF-Linsen der neuen Generation können die meisten Patienten das Handy und normal große Schrift lesen. Bei sehr kleiner Schrift und langem Lesen im Nahbereich ist manchmal eine dünne Lesebrille nötig. Eine Mini-Monovision kann diesen Bedarf jedoch verringern.
Bei den meisten Patienten nehmen sie mit der Zeit deutlich ab. Diesen Gewöhnungsprozess nennt man Neuroadaptation, und er ist in der Regel innerhalb von 6 Monaten abgeschlossen. Bei wenigen Patienten können die Beschwerden bleiben. Dann untersuchen wir das Auge und setzen bei Bedarf zusätzliche Lösungen ein.
Ja. Linsen, die ins Auge eingesetzt werden, sind so gefertigt, dass sie ein Leben lang unverändert bleiben. Einen erneuten Grauen Star bekommt man nicht. Falls sich mit den Jahren hinter der Linse in der Kapsel eine Trübung entwickelt, behebt man sie mit einem kurzen YAG-Laser-Eingriff.
Bei Bedarf ist ein Austausch möglich. Es ist aber keine Operation, die man nur deshalb durchführt, weil ein „neues Modell erschienen“ ist. Bei nicht tolerierbaren Sehbeschwerden oder einer deutlichen Abweichung der Brillenstärke führen wir ihn sorgfältig und unter Erhalt der Kapsel durch.
Verwandte Seiten
Quellen
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- Kaya Ünsal S, Helvacıoğlu F, Sunay E. Topographic factors affecting dissatisfaction after trifocal IOL implantation. 36. ESCRS-Kongress, Wien, September 2018 (Vortrag).
- Helvacıoğlu F, Sunay E, Kaya Ünsal S, Kavalcıoğlu Ö, Akyurt A, Akın T. PRK fine tuning after multifocal IOL implantation. 36. ESCRS-Kongress, Wien, September 2018 (Vortrag).
Dieser Beitrag dient der Patienteninformation und ersetzt keine Untersuchung und keine ärztliche Beurteilung. Die für Sie passende Behandlung wird nach der Augenuntersuchung und den Messungen festgelegt. Veröffentlichungsdatum: 25. September 2026.
Bei Fragen erreichen Sie Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu
Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu · Veni Vidi Göz, Bağdat Cad. No: 257, Caddebostan – Kadıköy / Istanbul
