Katarakt nach Augenlasern: Steigt Ihre Stärke Jahre später?
Wenn die Kurzsichtigkeit in einem vor Jahren gelaserten Auge schnell zunimmt, kehrt meist nicht das Lasern zurück. Oft ist es das erste Zeichen einer Katarakt. Wie plant man also eine Katarakt nach Augenlasern, also die Operation und die Linsenwahl?
Nimmt die Kurzsichtigkeit in einem gelaserten Auge nach dem 45. bis 50. Lebensjahr schnell zu und bessert die Brille das Sehen nicht mehr wie früher, ist die häufigste Ursache eine Katarakt. Sie beginnt mit einer Verhärtung des Linsenkerns. In diesem Fall brauchen Sie keine erneute Laserbehandlung, sondern eine Kataraktoperation. Außerdem steigt bei gelaserten Augen die Fehlerquote, wenn man die Stärke der Kunstlinse mit Standardformeln berechnet. Deshalb nutzen wir Spezialformeln, genaue Hornhautmessungen und, wenn möglich, Ihre alten Laserdaten.
Ein Fall von Katarakt nach Augenlasern: 58 Jahre, früheres Lasern, rasch steigende Stärke
Ein 58-jähriger Patient hatte sich vor Jahren wegen etwa −8 und −9 Dioptrien Kurzsichtigkeit lasern lassen. Zuletzt kam er zu uns, weil sein Sehen schlechter wurde. Auf einem Auge hatte er etwa −2, auf dem anderen schnell −6 Dioptrien Kurzsichtigkeit. Man hatte ihm bereits eine neue Brille verschrieben, aber er sah mit der Brille nicht besser.
Bei der Untersuchung fanden wir auf beiden Augen eine Katarakt mit verhärtetem Linsenkern (Kernsklerose). Die Ursache der steigenden Stärke war also nicht das Lasern, das zurückkehrte, sondern die Katarakt selbst.
„Steigt die Stärke nach dem Lasern in höherem Alter, ist das nicht harmlos, denn es kann ein Zeichen für eine Katarakt sein. Ändert sich Ihre Brille und sehen Sie auch damit nicht klar, lassen Sie sich unbedingt untersuchen.“
— Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, aus dem Video
Katarakt nach Augenlasern
Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu erklärt, warum bei einem gelaserten Patienten die schnell zunehmende Kurzsichtigkeit von einer Katarakt kommen kann und wie man sie behandelt.
Warum verändert die Katarakt die Brillenstärke?
Mit dem Alter wird der Kern der Augenlinse härter und dichter. Dadurch bricht er das Licht stärker, und das Auge wird kurzsichtiger. Deshalb merken manche Menschen zu Beginn einer Katarakt, dass sie eine Zeit lang ohne Brille besser lesen. Im Volksmund heißt das „zweites Sehen“.
Bekanntlich tritt diese Form der Katarakt bei kurzsichtigen Augen häufiger auf. Eine Metaanalyse von 12 Bevölkerungsstudien fand Kurzsichtigkeit etwa 2,8-mal so oft zusammen mit einer Kernkatarakt, also einer Verhärtung des Linsenkerns. Das Lasern korrigiert die Kurzsichtigkeit zwar an der Hornhaut, verändert aber weder die Linse noch den Aufbau des Auges. Deshalb bleibt dieses Risiko bei früher stark kurzsichtigen Augen bestehen.
Katarakt nach Augenlasern: Warum steigt die Stärke plötzlich?
Wird der Linsenkern härter, bricht er das Licht stärker, und das Auge wird wieder kurzsichtig. Die Brillenstärke steigt, aber mit Brille sehen Sie nicht mehr so klar wie früher.
- Phase mit klarem SehenNach dem Lasern fällt das Licht genau auf die Netzhaut, deshalb sieht man jahrelang ohne Brille.
- Die Linse verhärtetBeginnt die Katarakt, bricht die Linse das Licht stärker. Der Brennpunkt rutscht vor die Netzhaut, und die Kurzsichtigkeit kehrt zurück.
- Neue KunstlinseMan entfernt die getrübte Linse und setzt eine Kunstlinse ein, deren Stärke mit Spezialformeln berechnet wurde. So liegt der Brennpunkt wieder auf der Netzhaut.
Warum ist die Linsenberechnung bei Katarakt nach Augenlasern schwierig?
Bei der Kataraktoperation berechnet man die Stärke der Kunstlinse aus der Brechkraft der Hornhaut und der Augenlänge. Das Lasern formt jedoch die Vorderfläche der Hornhaut um. Deshalb zeigen klassische Messungen die Brechkraft der Hornhaut falsch an. Verwendet man Standardformeln, kann nach der Operation daher eine unerwartete Stärke übrig bleiben.
- Für gelaserte Augen nutzen wir entwickelte Spezialformeln und Rechner, die mehrere dieser Formeln zusammen auswerten.
- Außerdem messen wir Vorder- und Rückfläche der Hornhaut getrennt per Tomografie.
- Ihre alten Laserdaten (Stärke und Hornhautmessungen vor der Operation) helfen bei der Berechnung. Ich empfehle Ihnen deshalb, diese Unterlagen aufzubewahren.
Wenn nach der Operation eine kleine Reststärke bleibt
Trotz Spezialformeln kann bei manchen Augen eine kleine Reststärke bleiben. Ist die Hornhaut geeignet, lässt sie sich nach der Linsenoperation mit einem Oberflächenlaser (PRK) feinkorrigieren. Unsere Ergebnisse der PRK-Feinkorrektur nach einer Multifokallinse haben wir auf dem ESCRS-Kongress vorgestellt.
Was wird vor der Operation bei Katarakt nach Augenlasern geprüft?
- Gelber Fleck (Makula): Bei stark kurzsichtigen Augen sind Makulaerkrankungen häufiger. Deshalb untersuchen wir sie mit OCT.
- Netzhaut und Glaskörper: Weil kurzsichtige Augen ein höheres Risiko für Netzhautrisse haben, untersuchen wir den Augenhintergrund genau.
- Hornhaut: Per Topografie prüfen wir, ob die Laserzone zentriert und regelmäßig ist.
- Biometrie: Augenlänge und Vorderkammer messen wir optisch.
Welche Linse passt bei Katarakt nach Augenlasern?
Auch bei gelaserten Augen können Premiumlinsen bei gut ausgewählten Patienten gute Ergebnisse liefern. Allerdings muss die Hornhauttopografie bestimmte Kriterien erfüllen. Ist die Laserzone zentriert und regelmäßig, kommen EDOF- oder Trifokallinsen infrage. Ist die Hornhaut unregelmäßig oder liegt eine Makulaerkrankung vor, ist eine monofokale Linse die sicherere Wahl.
Weitere Gründe für eine im Lauf der Jahre steigende Stärke habe ich im Beitrag „Kommt die Stärke nach dem Lasern zurück?“ beschrieben.
Häufige Fragen
Ja. Auch bei gelaserten Augen führen wir die Kataraktoperation sicher durch. Der Unterschied liegt nur darin, dass man die Stärke der Kunstlinse mit Spezialformeln berechnet.
Mögliche Ursachen sind Veränderungen an der Hornhautoberfläche, ein Längenwachstum des Auges oder der Beginn einer Katarakt. Nimmt die Kurzsichtigkeit nach dem 45. bis 50. Lebensjahr schnell zu und bessert die Brille das Sehen nicht, gehört die Katarakt zu den ersten Ursachen, an die man denkt.
Bei ausgewählten Patienten ist das möglich. Dafür muss die Hornhauttopografie regelmäßig sein, die Laserzone zentriert liegen und die Makula gesund sein.
Die Stärke und die Hornhautmessungen vor dem Lasern können die Berechnung der Kunstlinse genauer machen. Bringen Sie diese Unterlagen deshalb bitte zur Untersuchung mit, wenn Sie sie haben.
Kleine Restwerte machen meist keine Brille nötig. Wenn es nötig ist und die Hornhaut geeignet ist, kann man außerdem per Oberflächenlaser feinkorrigieren.
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Quellen
- Pan CW, Cheng CY, Saw SM, Wang JJ, Wong TY. Myopia and age-related cataract: a systematic review and meta-analysis. Am J Ophthalmol. 2013;156(5):1021-1033. doi:10.1016/j.ajo.2013.06.005
- Wang L, Koch DD. Intraocular lens power calculations in eyes with previous corneal refractive surgery: review and expert opinion. Ophthalmology. 2021;128(11):e121-e131. doi:10.1016/j.ophtha.2020.06.054
- Helvacıoğlu F, Sunay E, Kaya Ünsal S, Kavalcıoğlu Ö, Akyurt A, Akın T. PRK fine tuning after multifocal IOL implantation. 36. ESCRS-Kongress, Wien, September 2018 (Vortrag).
- Kaya Ünsal S, Helvacıoğlu F, Sunay E. Topographic factors affecting dissatisfaction after trifocal IOL implantation. 36. ESCRS-Kongress, Wien, September 2018 (Vortrag).
Dieser Beitrag dient der Patienteninformation und ersetzt keine Untersuchung und keine ärztliche Beurteilung. Welche Behandlung für Sie passt, legen wir nach der Augenuntersuchung und den Messungen fest. Veröffentlicht am 25. September 2026.
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Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu · Veni Vidi Eye Clinic, Bağdat Cad. No: 257, Caddebostan – Kadıköy / Istanbul
