Brillenstärke ändert sich ständig? Das kann Keratokonus sein
Die Brillenstärke ändert sich in der Kindheit ganz natürlich. Zwischen 20 und 40 Jahren kann eine häufige Änderung, vor allem eine zunehmende Hornhautverkrümmung, jedoch ein erstes Zeichen für Keratokonus sein.
In Kindheit und Jugend ist es normal, dass sich die Brillenstärke ändert. Eine Kurzsichtigkeit kann bis Anfang 20 zunehmen. Zwischen 20 und 40 Jahren sollte die Stärke jedoch stabil bleiben. Wechselt die Brille in diesem Alter häufig, nimmt die Hornhautverkrümmung zu und sieht man auch mit der neuen Brille nicht ganz scharf, muss man an Keratokonus denken. Die Diagnose stellt man mit der Hornhautkarte (Topografie). Wird ein Keratokonus früh erkannt, lässt sich sein Fortschreiten durch Cross-Linking stoppen.
Brillenstärke ändert sich: Bis zu welchem Alter ist das normal?
Bei Kindern wächst das Auge, deshalb verändert sich die Stärke. Das ist zu erwarten. Eine Kurzsichtigkeit kann bis Anfang 20 zunehmen. Danach ist das Wachstum abgeschlossen. Darum sollte die Brillenstärke zwischen etwa 20 und 40 Jahren stabil bleiben. Ab den Vierzigern lässt dagegen das Sehen in der Nähe nach; das ist eine andere Veränderung.
„Zwischen 20 und 40 Jahren sollte Ihre Brillenstärke stabil sein. Ändert sie sich in diesem Alter häufig, vor allem der Astigmatismus, kann ein Keratokonus vorliegen. Dann ist unbedingt eine Topografie nötig.“
— Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, aus seinem Video
Ändert sich Ihre Brillenstärke häufig?
Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu erklärt, worauf eine sich häufig ändernde Brillenstärke hinweisen kann.
Brillenstärke ändert sich: Welche Veränderungen sind Warnzeichen?
- Im Erwachsenenalter jedes Jahr oder sogar noch öfter die Brille wechseln
- Zunehmende Hornhautverkrümmung oder eine veränderte Achse des Astigmatismus
- Auch mit der neuen Brille kein ganz scharfes Sehen
- Doppelbilder oder Schatten auf einem Auge, Streulicht um Lichter
- Häufiges Augenreiben, allergischer Juckreiz der Augen
Eine häufige Änderung kann jedoch auch andere Ursachen haben. Zum Beispiel kann ein schlecht eingestellter Blutzucker die Augenlinse anschwellen lassen und die Stärke vorübergehend verändern. Im höheren Alter verschiebt außerdem der graue Star die Stärke in Richtung Kurzsichtigkeit. Die richtige Ursache findet erst die Untersuchung.
Die Hornhaut hinter der sich ständig ändernden Stärke
Beim Keratokonus wird die Hornhaut dünner und wölbt sich kegelförmig nach vorn. Dadurch entsteht ein Astigmatismus, der sich mit der Brille nicht ganz ausgleichen lässt und sich ständig verändert. Die Diagnose stellt man mit der Hornhautkarte.
- Normale HornhautEine gleichmäßig gewölbte Hornhaut bricht das Licht einheitlich. Deshalb bleibt die Stärke im Erwachsenenalter stabil.
- KeratokonusWird die Hornhaut dünner und spitzer, nimmt der unregelmäßige Astigmatismus zu. Die Brille wechselt häufig, aber das Sehen wird nicht ganz scharf.
- TopografieAuf der Hornhautkarte zeigt sich die Aufsteilung, meist im unteren Bereich in warmen Farben, schon im Frühstadium.
Was ist Keratokonus?
Beim Keratokonus wird die Hornhaut mit der Zeit dünner und wölbt sich kegelförmig nach vorn. Er beginnt meist in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter. Meist sind beide Augen betroffen, aber unterschiedlich stark.
In einer nationalen Studie in den Niederlanden fand man Keratokonus bei etwa 1 von 375 Personen. Das ist 5- bis 10-mal häufiger als frühere Schätzungen. Bei der Diagnose waren die Patienten im Mittel 28 Jahre alt. Zu den Risikofaktoren zählen außerdem Augenreiben, Allergien und Keratokonus in der Familie.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Ein früher Keratokonus kann bei der üblichen Messung mit der Brille unentdeckt bleiben. Die wichtigste Untersuchung ist daher die Hornhauttopografie und -tomografie. Dabei misst man die Vorder- und Rückfläche der Hornhaut sowie ihre Dicke. Die Untersuchung dauert wenige Minuten und berührt das Auge nicht.
Bei Verdacht auf Keratokonus führt man keine Laser-Augenoperation durch, denn sie kann die Erkrankung beschleunigen. Deshalb prüft man vor jeder Laserbehandlung die Hornhautkarte sorgfältig.
Früherkennung und Behandlung
Bei der Behandlung des Keratokonus will man zuerst das Fortschreiten stoppen. Danach geht es darum, die Sehqualität zu verbessern:
| Behandlung | Ziel |
|---|---|
| Cross-Linking (CXL) | Die Hornhaut stärken und das Fortschreiten stoppen |
| Kombiniertes CXL + Oberflächenlaser | Die Hornhautoberfläche glätten und in derselben Sitzung stärken |
| Hornhautring (CAIRS) | Die ausgeprägte Kegelform abflachen |
| Spezielle Kontaktlinsen | Auf einer unregelmäßigen Hornhaut scharfes Sehen ermöglichen |
Beim Keratokonus glätten wir die Hornhautoberfläche mit einem individuellen Laserprofil und führen in derselben Sitzung Cross-Linking durch. Die Langzeitergebnisse dieser Hybridbehandlung haben wir auf ESCRS-Kongressen vorgestellt. Diesen Ansatz habe ich an einem Patientenbeispiel im Beitrag zur Kongresspräsentation erläutert. Alle Optionen finden Sie auf der Seite zu Keratokonus.
Häufige Fragen
In der Kindheit und bis Anfang 20 kann das normal sein. Ändert sich die Stärke zwischen 20 und 40 Jahren jedes Jahr, vor allem bei zunehmendem Astigmatismus, sind eine Untersuchung und eine Hornhautkarte nötig.
Keratokonus führt meist nicht zur völligen Erblindung. Unbehandelt kann er die Sehqualität jedoch deutlich mindern. Mit früher Diagnose und Cross-Linking lässt sich das Fortschreiten bei den meisten Patienten stoppen.
Im Frühstadium sieht man mit der Brille oft gut. Mit dem Fortschreiten nimmt jedoch der unregelmäßige Astigmatismus zu. Dann können spezielle Kontaktlinsen oder operative Behandlungen nötig werden.
Eine klassische Laser-Augenoperation führt man nicht durch, weil sie den Keratokonus beschleunigen kann. Bei geeigneten Patienten kann jedoch eine spezielle Oberflächenbehandlung zusammen mit Cross-Linking eine Option sein.
Häufiges und kräftiges Augenreiben gilt als wichtiger Risikofaktor für Keratokonus. Bei Juckreiz sollte man deshalb die Allergie behandeln, statt zu reiben.
Verwandte Seiten
Quellen
- Godefrooij DA, de Wit GA, Uiterwaal CS, Imhof SM, Wisse RP. Age-specific incidence and prevalence of keratoconus: a nationwide registration study. Am J Ophthalmol. 2017;175:169-172. doi:10.1016/j.ajo.2016.12.015
- Gomes JAP, Tan D, Rapuano CJ, et al. Global consensus on keratoconus and ectatic diseases. Cornea. 2015;34(4):359-369. doi:10.1097/ICO.0000000000000408
- Sunay E, Helvacıoğlu F, Kaya Ünsal S, Kavalcıoğlu Ö, Bulut E. Long-term outcomes of keratoconus management with corneal wavefront-guided normalisation combined with corneal cross-linking stabilisation. 37. ESCRS-Kongress, Paris, September 2019 (Vortrag).
Dieser Beitrag dient der Patienteninformation und ersetzt keine Untersuchung oder ärztliche Beurteilung. Die passende Behandlung wird nach der Augenuntersuchung und den Messungen festgelegt. Veröffentlicht am 25. September 2026.
Bei Fragen erreichen Sie Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu hier
Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu · Veni Vidi Eye Clinic, Bağdat Cad. No: 257, Caddebostan – Kadıköy / Istanbul
