Laser und Sehstärke

Ist Augenlasern gefährlich?

Ist Augenlasern gefährlich? Hier erfahren Sie, wie sich die heutigen Laserverfahren von der alten Radialen Keratotomie unterscheiden und worauf es bei einer sicheren Behandlung wirklich ankommt.

Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, Augenchirurg – Augenarzt bei Veni Vidi Eye Clinic in Caddebostan, Kadıköy, Istanbul
Verfasst und geprüft von: Prof. Dr. Fırat HelvacıoğluFacharzt für Augenheilkunde, FEBOS-CR · 25. September 2026 · 6 Min. Lesezeit · Aktualisiert: · Quellen
Kurze Antwort

Augenlasern ist bei geeigneten Patienten nicht gefährlich, sondern ein sicheres Verfahren. Es ist nicht mit der Radialen Keratotomie zu verwechseln, die heute nicht mehr angewendet wird. In den 1980er-Jahren schnitt man dabei die Hornhaut mit einem Messer strahlenförmig ein. Bei SMILE Pro, Femto-LASIK und No Touch formt dagegen ein Laser die Hornhaut nach genauen Messungen. Für die Sicherheit entscheidet deshalb vor allem, ob Ihre Hornhaut und Ihre Dioptrien zum Laser passen. Das lässt sich nur durch korrekte Messungen klären.

Das alte Verfahren war die Radiale Keratotomie (RK). Prof. Svyatoslav Fyodorov entwickelte sie Ende der 1970er-Jahre in Moskau, und in den 1980er-Jahren verbreitete sie sich weltweit. Um die Kurzsichtigkeit zu verringern, setzte man mit einem Diamantmesser strahlenförmige Schnitte in die durchsichtige Hornhaut, ähnlich den Speichen eines Fahrrads. Diese Schnitte flachten die Hornhautmitte ab und verringerten so die Kurzsichtigkeit.

Für damalige Verhältnisse war das ein wichtiger Schritt, doch das Verfahren hatte deutliche Grenzen. In der zehnjährigen PERK-Studie aus den USA kamen 70 % der Patienten in der Ferne ohne Brille aus. Allerdings zeigte sich bei 43 % der Augen im Lauf der Jahre eine Verschiebung um 1 Dioptrie oder mehr in Richtung Weitsichtigkeit. Außerdem hinterließen die Schnitte bleibende Narben in der Hornhaut. Bei manchen Patienten schwankte deshalb das Sehen im Tagesverlauf, und nachts streute das Licht.

„Die Radiale Keratotomie ist eigentlich eine sehr alte Methode. Das Verfahren hatte Risiken und war für manche Augen sogar schädlich. Es gehört der Vergangenheit an, aber viele Menschen verwechseln es immer noch mit den heutigen Lasern.“

— Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, aus dem Video
Video · Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu erklärt

Ist Augenlasern gefährlich?

Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu erklärt in einer Minute, wie sich die alte Radiale Keratotomie von den heutigen Laserverfahren unterscheidet.

Ist modernes Augenlasern gefährlich?

Bei den heutigen Behandlungen wird nicht mit dem Messer geschnitten. Stattdessen arbeitet ein Laserprogramm, das der Computer nach Ihrer Brillenstärke und Ihrer Hornhautkarte berechnet. Der Laser arbeitet auf den Mikrometer genau. Außerdem folgen ihm Eyetracker, die jede Augenbewegung verfolgen. Das Ergebnis hängt daher nicht mehr von der Hand des Chirurgen ab, sondern von der Genauigkeit der Messungen und der Planung.

Dieser Unterschied zeigt sich auch in den Ergebnissen. Eine umfassende Übersichtsarbeit fasste hochwertige Studien aus den Jahren 1995 bis 2003 zusammen. Danach lag die durchschnittliche Patientenzufriedenheit nach LASIK bei 95,4 %, und die Autoren werteten LASIK als einen der erfolgreichsten Wahleingriffe. In den Jahren seither hat sich die Technik weiterentwickelt, zum Beispiel durch Femtosekundenlaser, individuelle Topografie-Planung und flaplose Verfahren wie SMILE.

Von der Radialen Keratotomie zu den heutigen Lasern

Bei der Radialen Keratotomie, dem alten Verfahren, schnitt man die Hornhautoberfläche in den 1980er-Jahren mit einem Messer strahlenförmig ein. Beim heutigen Augenlasern formt dagegen nach Messungen berechnete Laserenergie die Hornhaut.

  1. Von der Radialen Keratotomie zum Augenlasern – Schritt 1: Radiale Keratotomie (veraltet) | Prof. Dr. Fırat HelvacıoğluDie Hornhaut wurde mit dem Messer radiär eingeschnitten; die Ergebnisse hingen vom Chirurgen und der Heilung ab, über die Jahre konnten sich die Dioptrien verschieben. Repräsentative Illustration zum Übergang von der Radialen Keratotomie zum Augenlasern; Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, Veni Vidi Göz Caddebostan, Kadıköy / Istanbul.1980er · Messerschnitt! Bleibende Narbe, langfristige DioptrienverschiebungRadiale Keratotomie (veraltet)Die Hornhaut wurde mit dem Messer strahlenförmig eingeschnitten. Das Ergebnis hing von der Hand des Chirurgen und der Heilung ab, und die Brillenstärke konnte sich über die Jahre verschieben.
  2. Von der Radialen Keratotomie zum Augenlasern – Schritt 2: LASIK / SMILE Pro (heute) | Prof. Dr. Fırat HelvacıoğluMit dem Femtosekundenlaser wird innerhalb der Hornhaut gearbeitet; die Korrektur erfolgt mit einem per Topografie geplanten Laserprogramm. Repräsentative Illustration zum Übergang von der Radialen Keratotomie zum Augenlasern; Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, Veni Vidi Göz Caddebostan, Kadıköy / Istanbul.Heute · per Laser, individuelles Maß✓ Computergesteuert, individueller PlanLASIK / SMILE Pro (heute)Ein Femtosekundenlaser arbeitet im Inneren der Hornhaut. Die Korrektur erfolgt mit einem Laserprogramm, das anhand der Topografie geplant wird.
  3. Von der Radialen Keratotomie zum Augenlasern – Schritt 3: No Touch (heute) | Prof. Dr. Fırat HelvacıoğluDer Excimerlaser wird über die Oberfläche ohne Berührung des Auges angewendet; es wird kein Schnitt und kein Flap erzeugt. Repräsentative Illustration zum Übergang von der Radialen Keratotomie zum Augenlasern; Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, Veni Vidi Göz Caddebostan, Kadıköy / Istanbul.No Touch · über die Oberfläche, berührungslos✓ Kein Schnitt, kein FlapNo Touch (heute)Der Excimerlaser behandelt die Oberfläche, ohne dass ein Instrument das Auge berührt. Es entstehen weder ein Schnitt noch ein Flap.
Altes Verfahren: MesserschnittBereich, in dem der Laser arbeitet
Schematische Darstellung; die anatomischen Strukturen sind zur besseren Verständlichkeit vereinfacht. © Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu

Die aktuellen Verfahren im Überblick

VerfahrenWie wird es durchgeführt?Besonderheit
No-Touch-LaserDer Excimerlaser behandelt die Hornhautoberfläche, ohne dass ein Instrument das Auge berührt.Kein Schnitt und kein Flap; eine sichere Option bei dünner Hornhaut. In den ersten 3 bis 4 Tagen kann es brennen.
Femto-LASIK (iLASIK) / Q-LASIKEin Femtosekundenlaser erzeugt statt eines Mikrokeratoms einen dünnen Flap, darunter erfolgt die Korrektur.Das Sehen bessert sich sehr schnell; schon am nächsten Tag ist der Alltag wieder möglich.
SMILE ProDie Korrektur entsteht als kleine Linse im Inneren der Hornhaut. Sie wird durch einen 2 bis 4 mm kleinen Schnitt entfernt.Kein Flap; schnelle Heilung und ein Vorteil für Kontaktsportler.

Wie wir das passende Verfahren für Sie auswählen, habe ich im Beitrag „Welche Lasermethode ist die beste?“ ausführlich beschrieben.

Wann ist Augenlasern gefährlich? Auf die Eignung kommt es an

Bei den aktuellen Lasern ist nicht das Verfahren selbst das wichtigste Sicherheitsthema, sondern die richtige Auswahl der Patienten. Die schwerste, aber seltene Komplikation ist die Ektasie. Dabei wird die Hornhaut schwächer und wölbt sich nach vorn. Einer der stärksten Hinweise darauf ist der „Prozentsatz des veränderten Gewebes“ (PTA), der zeigt, wie viel von der Hornhaut verändert wird. Bei 97 % der Augen mit normaler Topografie, die nach LASIK eine Ektasie entwickelten, lag dieser Wert bei 40 % oder höher. Deshalb berechnen wir bei jeder Planung Hornhautdicke, Topografie und PTA gemeinsam. Statt eines riskanten Plans wählen wir ein sichereres Verfahren, oder wir raten ganz vom Laser ab.

Fälle, in denen wir statt des Lasers eine andere Lösung empfehlen können

  • Eine dünne Hornhaut oder eine Hornhautkarte mit Verdacht auf Keratokonus
  • Eine Brillenstärke, die sich im letzten Jahr deutlich verändert hat (besonders unter 18 Jahren)
  • Sehr hohe Dioptrienwerte – hier kann eine implantierbare Linse (ICL) besser geeignet sein
  • Schwangerschaft und Stillzeit, unkontrollierter Diabetes, ausgeprägtes trockenes Auge

„Wenn Ihre Hornhaut und Ihre Werte geeignet sind, können Sie sich nach einer ausführlichen Beratung durch Ihren Arzt sicher behandeln lassen.“

— Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu, aus dem Video

Mögliche Nebenwirkungen: Wie gefährlich ist Augenlasern?

Wie jeder chirurgische Eingriff kann auch eine Laserbehandlung Nebenwirkungen haben. Wer sie vorher kennt, geht mit realistischen Erwartungen in die Behandlung:

  • Trockene Augen: In den ersten Monaten sind sie häufig. Meist lassen sie sich mit Tropfen kontrollieren und klingen mit der Zeit ab.
  • Lichtstreuung bei Nacht (Halos, Blendung): Sie tritt vor allem in den ersten Wochen auf und ist meist vorübergehend.
  • Eine kleine Restfehlsichtigkeit oder ein Rückfall: Bei manchen Augen ist eine Nachkorrektur nötig. Sie ist möglich, wenn die Hornhaut dafür geeignet ist.
  • Trübung (Haze) bei Oberflächenlasern: Sie kann bei hohen Dioptrienwerten auftreten. Mit einem passenden Medikamentenprotokoll senken wir das Risiko.

Haze und die Ergebnisse der Trans-PRK nach Oberflächenlasern gehören außerdem zu den Themen, die unsere Klinik auf internationalen Kongressen vorgestellt hat.

Was wird vor der Laserbehandlung gemessen?

Die Eignungsuntersuchung dauert etwa 1 bis 1,5 Stunden und umfasst die folgenden Messungen:

  • Überprüfung der Brillenstärke mit Tropfen (bei entspannter Akkommodation)
  • Hornhauttopografie/-tomografie (Hornhautkarte) und Dickenmessung
  • Tests auf trockene Augen und Beurteilung der Tränenqualität
  • Pupillenweite im Dunkeln und Augeninnendruck
  • Untersuchung des Augenhintergrunds (Netzhaut)

Wenn Sie Kontaktlinsen tragen, müssen Sie diese vor der Untersuchung eine Zeit lang weglassen, damit die Messungen stimmen. Wie lange, erfahren Sie bei der Terminvergabe.

Häufige Fragen

Nein, medizinisch ist das nicht dasselbe. Die Radiale Keratotomie ist ein altes Verfahren, das in den 1980er-Jahren mit dem Messer durchgeführt wurde und heute nicht mehr angewendet wird. Die heutigen Eingriffe erfolgen dagegen mit computergesteuerten Lasern.

Bei sorgfältig ausgewählten Patienten ist ein schwerer Sehverlust äußerst selten. Das Risiko sinkt am meisten, wenn vor der Operation alle Messungen vollständig erfolgen, zum Beispiel Hornhautkarte und Dicke. Außerdem wird bei ungeeigneten Augen kein Laser eingesetzt.

Meist ab 18 Jahren, und zwar nur, wenn sich die Brillenstärke seit mindestens einem Jahr nicht deutlich verändert hat. Ab 40 Jahren berücksichtigen wir bei der Planung außerdem den Bedarf beim Nahsehen.

Bei den meisten Patienten bleibt das Ergebnis dauerhaft. Bei manchen Augen kann mit der Zeit jedoch eine kleine Fehlsichtigkeit bleiben oder zurückkehren. Wenn die Hornhaut geeignet ist, kann man eine zweite Korrektur (Nachbehandlung) durchführen.

Nach einer Radialen Keratotomie kann sich die Brillenstärke über die Jahre verändern. Plant man bei solchen Augen eine Laserbehandlung oder eine Katarakt-Operation, braucht man besondere Messungen und Formeln zur Linsenberechnung. Nach einer ausführlichen Untersuchung legen wir die passende Option für Sie fest.

Quellen

  1. Fyodorov SN, Durnev VV. Operation of dosaged dissection of corneal circular ligament in cases of myopia of mild degree. Ann Ophthalmol. 1979;11(12):1885-1890. PMID: 556142.
  2. Waring GO 3rd, Lynn MJ, McDonnell PJ. Results of the Prospective Evaluation of Radial Keratotomy (PERK) Study 10 years after surgery. Arch Ophthalmol. 1994;112(10):1298-1308. doi:10.1001/archopht.1994.01090220048022
  3. Solomon KD, Fernández de Castro LE, Sandoval HP, et al. LASIK world literature review: quality of life and patient satisfaction. Ophthalmology. 2009;116(4):691-701. doi:10.1016/j.ophtha.2008.12.037
  4. Santhiago MR, Smadja D, Gomes BF, et al. Association between the percent tissue altered and post-LASIK ectasia in eyes with normal preoperative topography. Am J Ophthalmol. 2014;158(1):87-95. doi:10.1016/j.ajo.2014.04.002
  5. Shortt AJ, Allan BDS, Evans JR. Laser-assisted in-situ keratomileusis (LASIK) versus photorefractive keratectomy (PRK) for myopia. Cochrane Database Syst Rev. 2013;(1):CD005135. doi:10.1002/14651858.CD005135.pub3
  6. Kaya Ünsal S, Helvacıoğlu F, Sunay E. Visual, refractive, topographic and wavefront outcomes of trans-photorefractive keratectomy in virgin eyes. 37. ESCRS-Kongress, Paris, September 2019 (Vortrag).
  7. Helvacıoğlu F. Haze after excimer laser. Schwind User Meeting, Istanbul, März 2016 (Präsentation).

Dieser Beitrag dient der Patienteninformation und ersetzt keine Untersuchung und keine ärztliche Beurteilung. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, entscheiden wir nach der Augenuntersuchung und den Messungen. Veröffentlichungsdatum: 25. September 2026.

Bei Fragen erreichen Sie Prof. Dr. Fırat Helvacıoğlu

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